Somatic Experiencing (SE) nach Peter Levine
Auf dieser Seite beschreibe ich, wie ich in meiner Praxis in Wuppertal mit Somatic Experiencing®, kurz SE, arbeite. Was ein Trauma ist und welche Reaktionen danach normal sind, erkläre ich ausführlich im Bereich Trauma verstehen.
Was ist Somatic Experiencing?
Somatic Experiencing ist ein körperorientierter Ansatz von Peter A. Levine. Statt das Erlebte von Anfang an ausführlich zu erzählen, achten wir darauf, was beim Erinnern in Ihrem Körper passiert: Atem, Anspannung, Wärme, Herzschlag, Erstarrung oder ein Impuls, sich zu bewegen.
Gefühle, Gedanken und innere Bilder gehören dazu. Der Einstieg geschieht aber oft über das, was Sie gerade spüren. In kleinen Schritten lernen Sie, belastende Reaktionen wahrzunehmen, ohne von ihnen überrollt zu werden.
Sie möchten wissen, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt? Im kostenlosen telefonischen Erstgespräch klären wir das in Ruhe und unverbindlich.
Für wen Somatic Experiencing infrage kommt
SE kann passen, wenn ein belastendes Erlebnis wie ein Unfall, ein Überfall oder ein medizinischer Eingriff vor allem im Körper nachwirkt.
Das kann sich zum Beispiel zeigen als
- Daueranspannung
- Schreckhaftigkeit
- Erstarrung
- Schlafprobleme
Auch wer nicht gern über das Erlebte spricht, findet über den Körper manchmal leichter einen Zugang. Viele Menschen fragen sich später: "Warum habe ich mich nicht gewehrt?" SE kann helfen, solche Reaktionen als damalige Schutzversuche zu verstehen und Scham und Schuldgefühle besser einzuordnen. Eine feste Diagnose brauchen Sie für ein Erstgespräch nicht.
Wann zuerst etwas anderes nötig ist
Bei akuten Suizidgedanken, einer akuten psychotischen Krise oder einer schweren Suchterkrankung steht zunächst eine ärztliche oder psychiatrische Behandlung im Vordergrund. Wenn Sie aktuell Gewalt erleben, kontrolliert oder bedroht werden, geht Ihre Sicherheit vor. Eine psychotherapeutische Praxis ist kein Notdienst. Im Erstgespräch klären wir offen, ob meine Arbeit für Sie gerade passt oder ob eine andere Unterstützung sinnvoller ist.
Wie eine Behandlung abläuft
Einen starren Ablauf, den alle gleich durchlaufen, gibt es bei mir nicht. Die Schritte können sich überschneiden oder wiederholen. Meistens sieht der Weg aber ungefähr so aus:
1. Kostenloses Erstgespräch
Am Telefon klären wir in Ruhe, worum es Ihnen geht, ob meine Arbeitsweise zu Ihrem Anliegen passt und welche Fragen Sie haben. Das Gespräch ist kostenlos und unverbindlich.
2. Ankommen und Orientierung finden
In den ersten Sitzungen klären wir, was Sie belastet und was Ihnen guttut. Wir üben, den eigenen Körper und den Raum um Sie herum wahrzunehmen, so dass Sie in der Gegenwart orientiert bleiben.
3. In kleinen Schritten arbeiten
Wir nähern uns dem Belastenden nur in kleinen Portionen und wechseln immer wieder zu dem, was sich sicherer anfühlt. So bleibt die Aktivierung für Sie handhabbar. Sie behalten die Kontrolle, und wir können jederzeit pausieren.
4. Veränderungen in den Alltag bringen
Wir schauen, was sich in Ihrem Alltag verändert, zum Beispiel beim Schlafen, bei Anspannung oder in Situationen, die Sie bisher gemieden haben.
Wie ich Somatic Experiencing in meiner Arbeit einsetze
Ich nutze SE, wenn ein Erlebnis stark im Körper nachwirkt oder wenn Gespräche allein nicht weiterkommen. Je nach Anliegen verbinde ich es mit EMDR, Brainspotting oder Ego-State-Therapie.
Berührung ist für die Arbeit nicht notwendig. Ich setze sie nur ein, wenn Sie es ausdrücklich möchten, und Sie können sie jederzeit ablehnen oder beenden.
Wie Somatic Experiencing entstanden ist
Peter A. Levine ist ein US-amerikanischer Biophysiker und Psychologe. Er entwickelte SE seit den 1970er-Jahren. Geprägt hat ihn die Beobachtung von Tieren in Gefahr und ihr Verhalten von Kampf, Flucht und Erstarrung. Die Beobachtung von Tieren war eine Anregung für die Theorie. Sie beweist nicht, dass sich eine PTBS beim Menschen durch einen einzigen biologischen Vorgang erklären lässt.
Felt Sense, Tracking und Orientierung
Felt Sense meint ein körperliches Gesamterleben, das oft schwer in Worte zu fassen ist: Druck, Enge, Wärme, Weite oder der Impuls, Abstand zu nehmen. Tracking heißt, kleine Veränderungen davon aufmerksam zu verfolgen, ohne sie sofort zu deuten.
Orientierung bedeutet, die heutige Umgebung bewusst wahrzunehmen: Wo bin ich, was sehe ich, was kann ich jetzt tun? Das kann helfen, eine Erinnerung als Vergangenheit zu erkennen. Wer den eigenen Körper kaum spürt oder Körperempfindungen als bedrohlich erlebt, braucht einen besonders behutsamen Einstieg.
Titration und Pendulation
Titration bedeutet eine kleinschrittige Dosierung. Statt sich sofort dem Schlimmsten zuzuwenden, betrachten wir eine einzelne Empfindung oder einen kurzen Moment und prüfen dann, wie viel gerade verarbeitbar ist. Pendulation ist das Hin- und Herwechseln zwischen Belastendem und weniger Belastendem. Während sich zum Beispiel die Brust eng anfühlt, können die Füße auf dem Boden Halt geben. Das soll eine Annäherung an Schweres ermöglichen und ist keine Aufforderung, unangenehme Gefühle wegzudrücken.
Kampf, Flucht und Erstarrung
In bedrohlichen Situationen sind Abwehrreaktionen oft nicht frei wählbar. Wer erstarrt ist, macht sich später häufig ungerechtfertigte Vorwürfe. SE hilft, diese Reaktionen als Schutzversuche zu verstehen.
Manchmal tauchen beim Erinnern Bewegungsimpulse auf, etwa wegzudrücken oder aufzustehen. Sie können vorsichtig erkundet werden, müssen aber nicht ausgeführt werden. Auch Zittern, Gähnen oder Wärme können vorkommen. Sie sind kein Beweis für eine "Entladung" des Traumas. Die Vorstellung einer im Körper gespeicherten Überlebensenergie ist ein Erklärungsmodell, kein belegter Mechanismus.
Was SE von ähnlichen Methoden unterscheidet
EMDR arbeitet mit einem festen Ablauf und gezielter wechselseitiger Stimulation an ausgewählten Erinnerungen. SE folgt eher den Veränderungen von Körperwahrnehmung und Anspannung. Beide können in einer Behandlung zusammenkommen.
NARM hat historische Verbindungen zu SE und richtet den Blick stärker auf frühe Beziehungserfahrungen, Selbstbild und Identität. Die Sensorimotorische Psychotherapie arbeitet ebenfalls mit Körper und Schutzreaktionen, verbindet sie aber stärker mit Haltung und Bindungsmustern.
Wie gut ist Somatic Experiencing untersucht?
Eine randomisierte Studie von 2017 mit 63 Erwachsenen mit PTBS verglich 15 wöchentliche SE-Sitzungen mit einer Warteliste. Die SE-Gruppe zeigte deutliche Verbesserungen bei PTBS- und Depressionssymptomen. Die Studie war aber klein, und ein Vergleich mit einer etablierten Traumatherapie fehlte. Eine Studie bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen und Traumafolgen fand Verbesserungen bei den traumabezogenen Beschwerden, nicht aber eindeutig bei den Schmerzen.
Eine Übersichtsarbeit von 2021 wertete 16 Untersuchungen aus und fand erste positive Hinweise bei gemischter Qualität. Die S3-Leitlinie empfiehlt bei einer PTBS eine traumafokussierte Psychotherapie und nennt dafür vor allem EMDR, kognitive Verfahren, CPT, die Narrative Expositionstherapie und die Prolongierte Exposition. SE gehört nicht zu diesen gut belegten Verfahren.
Kosten und Termin
Ich arbeite als Heilpraktiker in eigener Praxis. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif teilweise. Die aktuellen Honorare finden Sie unter Honorar. Für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch erreichen Sie mich über das Kontaktformular.
Wenn Sie jetzt sofort Hilfe brauchen
Wenn Sie in akuter Gefahr sind oder daran denken, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie bitte den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Eine psychotherapeutische Praxis ersetzt in einer akuten Krise keinen Notdienst.
Häufige Fragen zu Somatic Experiencing
Muss ich bei Somatic Experiencing über das Trauma sprechen?
Nicht ausführlich. SE setzt oft beim Körpererleben an, nicht bei der Geschichte. Wie viel Sie erzählen möchten, bestimmen Sie selbst.
Werde ich bei SE berührt?
Nur wenn Sie es ausdrücklich möchten. Berührung ist für SE nicht notwendig, und Sie können sie jederzeit ablehnen oder beenden, ohne die Behandlung abbrechen zu müssen.
Was bedeutet Titration?
Titration heißt, sich dem Belastenden nur in kleinen Portionen zu nähern. So bleibt die Anspannung handhabbar, und Sie werden nicht überflutet.
Ist Zittern bei SE normal?
Zittern, Gähnen oder ein Wärmegefühl können vorkommen, wenn sich Anspannung verändert. Es muss aber nicht passieren und ist kein Zeichen dafür, dass etwas besonders gut oder schlecht läuft.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten bei einem Heilpraktiker nicht. Private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif teilweise. Die Honorare finden Sie auf der Seite Honorar.
Weiterlesen im Wissensportal Trauma
Wenn Sie sich in Ruhe weiter informieren möchten, finden Sie in meinem Wissensportal die wichtigsten Themen rund um Trauma verständlich erklärt.
• Trauma verstehen: alle Themen im Überblick
• Nach einem schlimmen Erlebnis: Was ist normal?
• Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
• Scham und Schuld
• Medizinisches Trauma
• Schlaf und Albträume
• Dissoziation
• Hilfe im Alltag: Grounding und Notfallkoffer
Quellen
- Somatic Experiencing Deutschland: Was ist Somatic Experiencing?
- Brom et al. (2017): Somatic Experiencing bei PTBS, randomisierte Studie
- Andersen et al. (2017): SE bei Rückenschmerzen und posttraumatischen Symptomen
- Kuhfuß et al. (2021): Somatic Experiencing, Übersichtsarbeit
- AWMF: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (2026)
Über mich
Roman Simeunovic
Heilpraktiker, Praxis für Psychotherapie und Traumatherapie in Wuppertal
Ich begleite Menschen mit Traumafolgen, Ängsten und belastenden Lebenssituationen und arbeite integrativ, unter anderem mit Somatic Experiencing, EMDR, Brainspotting, Ego-State-Therapie und systemischer Traumatherapie. Die Inhalte auf dieser Seite habe ich fachlich geprüft, damit Sie vorab einschätzen können, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt.